
PALAIS BIRON NR. 25 | SOMMER 2017 15
DR. HANS-GEORG MAAßEN
Leider sind der Wirtschaftsschutz
und die Abwehr ausländischer
Spionageversuche
keine einmalige
Schlacht, sondern ein permanenter,
nicht endender Prozess. Aber schon
mit einfachen Mitteln kann der Grad
an Sicherheit vergrößert werden: Zugangsdaten
zum Firmennetz sollten
richtig verwendet und Zugangsbeschränkungen
eingerichtet werden.
Der Umgang mit externen Datenträgern
sollte reglementiert, Verhaltensregeln
für Mitarbeiter aufgestellt
und Verstöße konsequent geahndet
werden. Notfallkonzepte funktionieren
langfristig nur, wenn die eigene
Belegschaft Teil des Schutzplans ist:
Wachsame Mitarbeiter sind die beste
Firewall! Darum ist es auch sinnvoll,
wenn für die unterschiedlichen
Schutzdimensionen im Unternehmen
ein von der Geschäftsleitung ermächtigter
„Wirtschaftsschutzbeauftragter“
federführend tätig sein kann.
Nicht weniger komplex sind die
Gefahren,
die von Desinformation und
sogenannten Fake News ausgehen. Sie
können Stimmungen in Gesellschaften
beeinflussen, Personen verleumden
oder Gewalt schüren – und sind auch
gegen deutsche Unternehmen gerichtet:
Mit Falschinformationen in sozialen
Netzwerken können Produkte und
Dienstleistungen von Marktkonkurrenten
empfindlich getroffen und diskreditiert
werden. Eine Rolle spielen dabei
Social
Bots: Simple Programme melden
sich im Internet automatisiert zu
Wort und multiplizieren die Meinung
ihres Auftraggebers auf vielfältige
Weise; sie können auch die Trefferlisten
in Suchmaschinen manipulieren.
Darum gelten eine erhöhte Wachsamkeit
und ein kritisches
Hinterfragen
von Informationen im Internet.
Diese kursorische Betrachtung zeigt:
Investitionen in die Sicherheit sind keine
zusätzliche Last, um die man eventuell
herumkommt, sondern ein „
Business
Enabler“. Sie sichern langfristig die Zukunftsfähigkeit
von Unternehmen und
damit Arbeitsplätze und Erträge.
Ein einzelnes Unternehmen hat selten
die Möglichkeit, das Handeln eines
ausländischen Nachrichtendienstes zu
erkennen oder ihm auf Augenhöhe zu
begegnen. Die deutschen Sicherheitsbehörden
haben dieses Know-how dagegen
sehr wohl, sind national wie international
eng vernetzt und bieten neben
vertraulichen Beratungsgesprächen ein
breites wie aktuelles Informationsangebot
an, für das das Informationsportal
Wirtschaftsschutz beispielhaft steht
(www.wirtschaftsschutz.info).
Sicherheit muss ein Qualitätsmerkmal
des Made in Germany sein! Wenn
Wirtschaft und Staat in Deutschland
als Partner an einem Strang ziehen
und ohne Berührungsängste Vertrauen
zueinander
ausbilden, wird dies gemeinsam
gelingen.
Hans-Georg Maaßen wurde 1962 in Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen) geboren.
Nach dem Abitur studierte er in Köln und Bonn Rechtswissenschaften. Das Studium
schloss er 1987 mit dem ersten juristischen Staatsexamen ab, das anschließende
Rechtsreferendariat beendete er 1991 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen.
Seit 1991 war er in verschiedenen Abteilungen im Bundesministerium des Innern tätig.
Nach Verwendungen als Referent in der Abteilung für Ausländerangelegenheiten
und in der Polizeiabteilung wurde er im Jahr 2000 persönlicher Referent des Sicherheitsstaatssekretärs.
2001 übernahm er die Leitung der Projektgruppe Zuwanderung
und wurde 2002 zusätzlich Referatsleiter für Ausländerrecht. Im August 2008 wurde
er Leiter des Stabes Terrorismusbekämpfung in der Abteilung Öffentliche Sicherheit
im Bundesministerium des Innern. Seit 1. August 2012 ist Hans-Georg Maaßen
Präsident
des Bundesamtes für Verfassungsschutz.
HANS-GEORG MAAßEN
Foto: Bundesamt für Verfassungsschutz