
PALAIS BIRON NR. 25 | SOMMER 2017 81
scher Sozialromantiker galt, wird jetzt
auch global möglich. Digitalisierung
versöhnt das bisher Unversöhnliche:
den Bildungszugang für alle mit einem
auf jeden individuell abgestimmten
Curriculum. Damit kann die Digitalisierung
den Gegensatz von Masse und
Klasse aufheben.
Wie gut gestaltete Digitalisierung
mehr Teilhabe und Chancengerechtigkeit
schafft, zeigt die David-A.-Boody-Schule
im New Yorker Stadtteil Brooklyn.
80
Prozent der Schüler kommen aus
einer
sozial schwachen Familie, haben
oft einen Migrationshintergrund und
benötigen beim Lernen viel Unterstützung.
Jeder hier bräuchte eigentlich
seinen auf ihn persönlich zugeschnittenen
Unterricht – seit vier Jahren bekommen
alle Schüler genau das. New
Classrooms heißt das Konzept, das
auf digitalisierte Lerneinheiten statt
Frontalunterricht
setzt, um jeden bei
seinem Wissensniveau abzuholen. In
einem riesigen Raum, der sich über
ein ganzes Stockwerk erstreckt, lernen
etwa 90 Schüler Mathe an wechselnden
Stationen: Die einen schauen Videos,
die anderen nutzen
Lernsoftware, andere
arbeiten in Gruppen oder sprechen
mit dem Lehrer. Das Besondere
ist allerdings nicht, wie vielfältig und
digital die Lernmethoden sind, sondern
die automatisierte Personalisierung:
Am Ende eines Tages legt jeder Schüler
einen kurzen Onlinetest ab. So kann
ein Zentralcomputer in Manhattan über
Nacht errechnen, welcher Schüler noch
nacharbeiten muss und welche Methode
die beste dafür ist. Daraus entsteht
ein individueller Lernplan für den
nächsten Tag, den die Schüler morgens