
PALAIS BIRON NR. 25 | SOMMER 2017 37
Dies gilt gerade für die Zulieferer – und
damit auch für die ZF Friedrichshafen
AG. In der Vergangenheit war der weltweit
aktive Stiftungskonzern vor allem
als Hersteller mechanischer Komponenten
für Autos, Nutzfahrzeuge, Schiffe
und Industrietechnik bekannt. Betrachtet
man das Unternehmen ZF heute mit
Blick auf die aktuellen Megatrends, so
wird sichtbar, wie schnell und intensiv
sich die Welt verändert hat. Zwar war ZF
beim Thema Hybridantriebe durchaus
führend – als erstes europäisches Unternehmen,
das die Serienfertigung von entsprechenden
Modulen begann. Dennoch
wäre der Konzern in seiner damaligen
Form heute wohl nicht erste Wahl, wenn
nach Partnern für rein elektrische Mobilität
oder für die Weiterentwicklung
des
autonomen Fahrens gesucht wird.
Entscheidend für die Zukunftsorientierung
der ZF Friedrichshafen AG war und
ist die Unternehmensstrategie ZF 2025.
Speziell der Entschluss im Jahr 2014,
das US-Unternehmen TRW Automotive
zu übernehmen, wurde zum Kernstück
dieser Zukunftsausrichtung. TRW ergänzt
mit seinen Produkten perfekt das
traditionelle ZF-Angebot. Die Ziele der
Strategie sind unter anderem eine ausbalancierte
Marktdurchdringung, Innovations
und Kostenführerschaft sowie ein
breites Produktportfolio. Seit ihrer Verabschiedung
ist die „Strategie ZF 2025“
Richtschnur für alle Entscheidungen und
Maßnahmen im Konzern.
Abgeleitet aus der Konzernstrategie
verfolgt ZF den Ansatz einer doppelten
„Vision Zero“: Alle Bereiche des
Konzerns arbeiten an dem Ziel einer
drastischen Reduktion von Schadstoffemissionen
und von Verkehrsunfällen
auf jeweils null. In Bezug auf Schadstoffemissionen
heißt das vornehmlich,
einen Beitrag zur Effizienzsteigerung
von Fahrzeugen und damit zur Senkung
der Emissionen von Feinstaub, Stickoxiden
und CO2 zu leisten. Blickt man
auf die global beschlossenen oder avisierten
gesetzlichen Anforderungen,
dann wird eines deutlich: Die Senkung
des Schadstoffausstoßes wird flächendeckend
nur mithilfe alternativer Antriebstechnologien
zu erreichen sein. Aufgrund
des technologischen Reifegrades heißt
das derzeit, dass die Elektrifizierung die
beste Lösung sein dürfte. Mit der Elektrifizierung
der Antriebe von Automobilen
werden sich vor allem für die Mobilität
in den Metropolen neue Fahrzeugkonzepte
etablieren. Einerseits werden auch
diese neuen Fahrzeuge auf absehbare
Zeit auf Straßen rollen, sie brauchen
also Fahrwerke, Lenkung und Bremsen.
Andererseits wird vor dem Hintergrund
einer zunehmenden Automatisierung die
Komplexität des technologischen Zubehörs
zurückgehen.
Die Antwort von ZF auf die Herausforderungen
von E-Mobility und autonomem
Fahren ist das Angebot von intelligenten
mechanischen Systemen. Das
Unternehmen macht, wo immer möglich,
seine Produkte anschlussfähig an vernetzte
Systeme. In der Konsequenz bedeutet
das: Produkte von ZF lassen Fahrzeuge
sehen, denken und handeln. Das
alles ist gleich wichtig, wenn es heute um
das assistierte und morgen um das autonome
Fahren geht. Nötig ist eine Sensorik,
die unabhängig von Licht- und Wetterverhältnissen
sowohl Fahrbahnverlauf,
die eigene Position und andere Verkehrsteilnehmer
sowie auch die Situation im
Inneren des Fahrzeugs erkennt. Für eine
solche 720-Grad-Analyse bedarf es einer
intelligenten Steuerung. Sie „versteht“
dank künstlicher Intelligenz, was im und
um das Fahrzeug herum vorgeht. Ebenfalls
nötig sind leistungsfähige Aktuatoren
in Antrieb, Bremse und Lenkung
sowie
beim Insassenschutz. Denn nur mit
ihnen lässt sich ein Fahrzeug bewegen –
und im Extremfall, dank Gurt und Airbag,
die Unversehrtheit der Insassen sichern.
Im Dreiklang „See – Think – Act“
bringt ZF seine einzigartige technologische
Position auf den Punkt, Sensorik,
künstliche Intelligenz und Mechanik aus
einer Hand abbilden zu können.
Vor allem in den Städten der Welt wird
eine Vielzahl hochautomatisiert oder autonom
fahrender, in der Regel elektrisch
betriebener Fahrzeuge und Transportsysteme
zum Standard werden. Bisher
unbekannte Hersteller werden
zudem
bislang unbekannte Vehikel
für spezielle
Einsatzzwecke in die Märkte bringen.
Mit neuen, innovativen Ansätzen werden
sie die Entwicklung beschleunigen und
bei Zulieferern neue Produkte nachfragen.
Dieses Interesse an neuen, intelligenten
mechanischen Systemen schafft
für ZF neue Absatzmöglichkeiten. Bei
allem Innovationsdruck durch die IT-Industrie
braucht es am Ende doch immer
auch Mechanik und Aktuatoren, die digitale
Fahrbefehle verstehen und umsetzen
können.
Die revolutionären Veränderungen
in der Automobilbranche haben sowohl
eine technologische wie auch eine
beschäftigungspolitische
Komponente:
Für die Umsetzung der anspruchsvollen
Strategien müssen Unternehmen wie ZF
die passenden Wissens- und Produktionsarbeiter
an sich binden. Doch auch die
Fragen, was einen attraktiven Arbeitgeber
ausmacht und wie Führungsstrukturen