
Vom Adaptionsgenie Chamäleon lernen
Managerleben: Das stete Streben nach
operativer Exzellenz und schlanken internen
Prozessen ist selbstverständlich
ein Schlüssel zum Erfolg. Jedoch ist es
nur dann gut, die Dinge richtig zu machen,
wenn es die richtigen Dinge sind.
Und über das „richtig“ entscheidet der
Markt, also die Außenwelt. Die Frage
nach der Effizienz hingegen kann nur
von innen beantwortet werden. Damit
ist das Dilemma der klassischen Betriebswirtschaft
mit ihren Optimierungsansätzen
einerseits und die vom
Markt zu beantwortende Frage der
Anpassung und Innovation andererseits
klar umschrieben.
Adaptiveness bedeutet, die nächste
Wellenbewegung vorwegzunehmen und
neue Wellen auszulösen, selbst wenn
man seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten
Marktführer ist. Es ist notwendig,
das erweiterte Umfeld lesen zu können,
ohne dabei das Fach- und Produktwissen
zu vernachlässigen, um so schnell
Veränderungen in der eigenen, aber
auch insbesondere in der Supply- und
Value-Chain der Kunden zu erkennen.
Nur wer sich dem Wandel der Welt, insbesondere
den Megatrends, anpasst und
ihn zum Motor für Neuerungen erklärt,
sichert eine hohe Lebensdauer des Unternehmens.
Adaptiveness wird damit
zur Kernaufgabe von Führung und Strategie
und erfordert vor allem den Blick
von außen auf das eigene Unternehmen.
Adaptiveness als Garant für Langlebigkeit
ist im Übrigen auch Ausdruck
dessen, was die biologische Evolutionslehre
in Weiterentwicklung der Thesen
von Darwin vertritt: Es überlebt nicht
die stärkste – the fittest –, sondern die
anpassungsfähigste – the most adaptive –
Spezies. Dieses Prinzip sollte auch in der
Unternehmensführung berücksichtigt
werden. Die Welt hat sich durch geopolitische
Konflikte sowie technologische
und gesellschaftliche Umwälzungen
verändert. Deshalb müssen die ständige
Beobachtung und Szenarienanalyse ein
täglich Brot des Führens sein. Wer also
denkt, dass sich die Zukunft aus linearen
Foto: shutterstock 51208177
68 PALAIS BIRON NR. 25 | SOMMER 2017