
RAMIN NIROUMAND
PALAIS BIRON NR. 25 | SOMMER 2017 25
inhaltliche Veränderung der Fintech-
Branche, die auch unseren Finanzalltag
als Endkunden nachhaltig prägen wird.
Lassen Sie uns einen Schritt zurückgehen.
Bevor es die Fintechs gab, waren
Banken die Allfinanz-Konzerne. Kunden
bekamen von den großen Geldinstituten
alle Produkte aus einer Hand:
vom Girokonto, zum Wertpapierdepot
bis hin zur Versicherung. Dabei hatten
die Kunden mit Blick auf die Qualität
der Produkte allerdings nicht immer
die beste Wahl. Umfasste das Girokonto
beispielsweise überdurchschnittliche
Leistungen, waren die Konditionen für
Wertpapiere eventuell nicht zufriedenstellend.
Im Internet bekamen Verbraucher
nach und nach mehr Handlungsspielraum,
da sie sich transparent und
einfach die unterschiedlichen Produkte
der Banken anzeigen lassen konnten.
So manch einer bezog daraufhin Produkte
und Dienstleistungen von verschiedenen
Kreditinstituten – mit dem
entsprechenden
Mehraufwand
an Zeit,
Kosten, Filialbesuchen und Papierkram.
Dann erschienen die Fintechs, volldigitale
Produkte, jedes davon gemacht,
um ein bestimmtes Problem zu lösen,
sei es ein Onlinekonto per App wie
N26, ein digitaler Makler für die besten
Versicherungen, wie Clark, oder ein
digitaler Payment-Anbieter wie Paypal.
Wer als Verbraucher nun auf die besten
Fintech-Produkte setzt, hat zwar plötzlich
weniger Aktenordner im Regal,
dafür aber jede Menge bunte Apps auf
dem Smartphone. Jede Applikation ist
ein Spezialist für ein bestimmtes Produkt,
mit dem auch die Banken teilweise
kooperieren, wie bereits angesprochen.
Doch nun steht der nächste Schritt der
Finanzevolution vor der Tür. Mit dem
Konzept von Plattformen, die über eine
entsprechende technologische Infrastruktur
und aufsichtsrechtliche Lizenzen
verfügen, steuern wir in der Branche
in eine andere Richtung.
Die besten digitalen Finanzdienstleistungen
werden auf einer technologischen
Plattform gebündelt und dem
Kunden aus einer Hand zur Verfügung
gestellt. Es geht nicht mehr um die besten
Spezialisten, sondern um die besten
Endprodukte über einen Anbieter. Dabei
muss die Plattform über einen hohen regulatorischen
Standard verfügen, um als
Schnittstelle fungieren zu können. Die
Fintechs wiederum, die mit einer solchen
Plattform kooperieren, profitieren zum
Foto: BBUG/MS
Ramin Niroumand bei seinem Vortrag im Palais Biron, links neben ihm Magnus Graf Lambsdorff
Der Kunde von
Fintech-Produkten
hat weniger
Aktenordner, dafür
aber viele bunte Apps
auf dem Handy