
POSTFAKTISCHES ZEITALTER
1. ORDNUNG AM ARBEITSMARKT
Wir wollen, dass am Arbeitsmarkt
ordentliche Beschäftigungsbedingungen
herrschen. Nie waren so viele
Menschen in Arbeit wie im Moment.
Dennoch hat vor allem prekäre Beschäftigung
in den letzten Jahren
zugenommen. Deswegen müssen
wir Fehlanreize beseitigen und dort
nachregulieren, wo Schieflagen sich
verselbstständigen. Dabei geht es einerseits
um die Würde der Menschen,
die mit ihrer Arbeitskraft jeden Tag
den Grundstein für den Wohlstand
und wirtschaftlichen Erfolg unserer
Gesellschaft legen. Wer sein Leben
lang seine Knochen hinhält, verdient
fairen Lohn und faire Arbeitsbedingungen.
Wir brauchen aber auch
Ordnung am Arbeitsmarkt, um unsere
sozialen Sicherungssysteme zu
stabilisieren. Gerade Menschen in
atypischer Beschäftigung sind sozial
schlechter abgesichert. Ein Erwerbsleben
in atypischer Beschäftigung
endet in aller Regel in Altersarmut.
Das führt dazu, dass die Allgemeinheit
prekäre Beschäftigung auch noch
mit Transferzahlungen subventionieren
muss, um den Betroffenen einen
würdevollen Lebensabend zu ermöglichen.
Ordnung am Arbeitsmarkt
ist aber schließlich auch im Sinne
der Arbeitgeber, die zu anständigen
Tarifbedingungen beschäftigen und
sich gegen ungleichen Wettbewerb
verteidigen müssen. Deswegen wollen
wir beispielsweise Leiharbeit auf
ihre Funktion zur Bewältigung von
Auftragsspitzen beschränken. Das
Instrument wird zunehmend eingesetzt,
um Betriebsangehörige durch
billigere Leiharbeiter zu ersetzen.
Das führt innerbetrieblich zur Zwei-
Klassen-Gesellschaft und verzehrt
den Wettbewerb zulasten der Arbeitgeber,
die sich an Tarifverträge halten.
Das kann so nicht bleiben. Wir
wollen daneben auch die Befristung
von Arbeitsverträgen einschränken.
Sachgrundlose Befristungen müssen
abgeschafft werden. Wenn es keinen
Grund für eine Befristung gibt, ist sie
auch nicht gerechtfertigt. Arbeitnehmer
sind keine betriebswirtschaftliche
Schiebemasse. Auch das hat etwas
mit der Würde der Beschäftigten
zu tun.
2. CHANCENGLEICHHEIT
IN DER BILDUNG
Wir wollen, dass im Bildungswesen
Chancengleichheit herrscht. Wir
wollen alle mitnehmen, kein Kind
zurücklassen. Alle Kinder müssen in
ihrer Entwicklung gefördert werden
und die Möglichkeit bekommen, ihre
eigenen Talente zu entdecken und ihren
Interessen nachzugehen. In unserer
Vision von Gesellschaft bestimmt
sich der Werdegang eines Kindes nicht
nach seiner Herkunft. Gerecht ist,
Thorsten Schäfer-Gümbel bei seinem Vortrag im Palais Biron
Foto: BBUG/MS
42 PALAIS BIRON NR. 25 | SOMMER 2017