
OLAF KOCH
Wege in die digitale Welt
Wie er das außerordentliche Potenzial
seiner Hotel-, Gastronomie- und Catering-Kunden innovativ erschließen
und flankieren will,
berichtete der Metro-Chef den Teilnehmern des 139. BBUG
Die Gastronomie und Hotellerie
ist eine der größten
Branchen Europas.
Sie bedient Millionen
von Kunden, beschäftigt Millionen von
Menschen und generiert mehrere Hundert
Milliarden Euro Umsatz im Jahr.
Die kleinen und mittelgroßen Unternehmen
spielen dabei eine enorm wichtige
Rolle. Sie sorgen für die große Vielfalt,
einzigartige Kundennähe und Serviceorientierung.
Trotz dieser enormen Relevanz für
Wirtschaft und Gesellschaft hat in dieser
Branche wenig technologische Innovation
stattgefunden. In vielen Restaurants
und Cafés läuft der Betrieb noch
wie vor vielen Jahren, traditionell und
analog. Die Gastronomie ist eine der
wenigen Branchen, die sich trotz der
fast schon allumfassenden Digitalisierung
unserer Gesellschaft kaum verändert
hat. Lediglich Küchengeräte oder
Innenausstattungen wurden überholt,
Prozesse und Services sind im Wesentlichen
gleich geblieben. Doch der Druck
auf die Branche steigt. Unsere Gesellschaft
erwartet immer mehr mobile und
digitale Services, auch beim Reservieren,
Bestellen, Bezahlen, immer öfter
auch beim Loben und Kritisieren. Ein
wachsender Teil des Lebens ist digital.
Häufig wird das als Risiko eingeschätzt.
Dabei eröffnet die Digitalisierung viele
neue Perspektiven und Chancen, zum
Beispiel in der Steigerung der Kundenzufriedenheit,
der Neukundengewinnung
bei Zeit- und Kostenersparnis bis hin zu
mehr Nachhaltigkeit.
Viele Lösungen wirken aber auf den
ersten Blick komplex und schwer zu
handhaben. Darüber hinaus sind mit ihnen
Kosten verbunden, ohne dass man
den unmittelbaren Nutzen als gesichert
erkennt. Um all das zu durchdringen,
muss man das eigene Geschäftsmodell
durchdenken und weiterdenken – und
das braucht Zeit, die allzu häufig fehlt.
Hinzu kommt, dass für Technologieunternehmen
die Zielgruppe der kleinen
und mittelgroßen Hotels, Restaurants
und Cateringbetriebe, der
sogenannte HoReCa-Markt, aufgrund
der Fragmentierung und der geringen
Investitionsbereitschaft wenig attraktiv
war. Mit dem Innovationsschub der
Digitalisierung eröffnen sich nun aber
vollkommen neue Möglichkeiten. Die
Kosten für Hardware sind dramatisch
gefallen und Smartphones und Tablets
übertreffen die Leistungsfähigkeit von
PCs vor einigen Jahren, noch dazu zu
einem Bruchteil der Kosten. Durch den
rasanten Erfolgszug der mobilen Endgeräte
sind auch nahezu alle HoReCa-
Unternehmer zumindest zu privaten
Nutzern geworden. Auch die Kosten für
Lösungen sind erheblich gefallen. Apps
können heute zu deutlich geringeren
72 PALAIS BIRON NR. 25 | SOMMER 2017