
STEFAN SOMMER
PALAIS BIRON NR. 25 | SOMMER 2017 39
DR. STEFAN SOMMER
Ein weiteres Beispiel sind konzerneigene
Ideeninkubatoren wie die ZFDenkfabrik
und unterschiedliche Innovation
Labs. Diese dynamischen Einheiten
sind selbst eher wie Start-ups denn wie
Konzernabteilungen organisiert: Kleine
Teams arbeiten mit überschaubaren Budgets
und einem selbst gesetzten Zeitlimit
an Projekten. Damit sollen vor allem
Ideen und Produkte gefördert werden, die
außerhalb des bisherigen Portfolios liegen.
Digitalisierung mag eine wichtige
Stellschraube für die Entwicklung der industriellen,
der mobilen und der privaten
Welt sein. E-Antriebe und autonome
Fahrzeuge mögen die automobile Fortbewegung
der nahen Zukunft bestimmen.
Ergänzend dazu bleiben der Faktor
Mensch und die klassische Mechanik allerdings
entscheidende Bausteine bei der
Realisierung dieser revolutionären Ideen.
Die ZF Friedrichshafen AG hat die Herausforderungen
des Game Changers angenommen
– mit der passenden Strategie
und all den notwendigen Schritten zu deren
Realisierung.
WAS BEWEGT DIE AUTOMOBILINDUSTRIE KONKRET?
• Sicherheit und die Vermeidung von Unfallopfern ist ein besonders
wichtiges Thema. Autonome Fahrzeuge, gesteuert von künstlicher
Intelligenz, können sich schon heute so sicher bewegen, dass
sich durch ihre flächendeckende Einführung die aktuelle Zahl der
Unfälle drastisch reduzieren ließe.
• Ein weiterer Aspekt ist die Umweltthematik, verbunden mit der
Diskussion über den Einfluss von Emissionen auf das Weltklima.
Dabei hat sich die Auseinandersetzung schnell auf die schädliche
Wirkung von Feinstaub sowie von Stickoxiden, wie sie bei der
Verbrennung von fossilen Kraftstoffen entstehen, ausgedehnt.
Diese Überlegungen gaben das Startsignal für eine nachhaltige
Konzentration auf die Elektrifizierung des Automobils. Fahrzeuge
mit Verbrennungsmotoren scheinen zu einer Übergangslösung
auf dem Weg hin zur emissionsfreien Mobilität der Zukunft zu
werden. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem Staaten und
Kommunen – insbesondere die smoggeplagten Megastädte im
Raum Asien-Pazifik. Dass der Wandel hin zur E-Mobility kommt,
steht inzwischen außer Zweifel. Die Frage ist nur noch, wie schnell
und wie weitgehend dieser sein wird.
Foto: ZF Friedrichshafen AG
Stefan Sommer ist 1963 in Münster geboren. Nach einem Maschinenbaustudium
und Promotion an der Ruhr-Universität in Bochum war Sommer ab 1994 Entwicklungsingenieur
bei der ITT Automotive Europe GmbH in Frankfurt. Von 1997 an
verantwortete er bei Continental Automotive Systems in Hannover zunächst die
Entwicklung von Elektronik und Sensorik; von 2000 an leitete er die Entwicklung
für elektronische Luftfedersysteme. 2003 wechselte er zu Continental Temic nach
Ingolstadt, 2005 zu Continental Automotive Systems nach Frankfurt am Main, wo
er zunächst das Profit Center und ab Herbst 2007 das Kundencenter für elektronische
Bremssysteme leitete. 2008 wechselte Sommer zur ZF Sachs AG und übernahm
dort das Vorstandsressort für den Bereich Fahrwerk, bevor er ab Oktober
2010 zum Konzernvorstand für Materialwirtschaft berufen wurde.
Seit 1. Mai 2012 ist Sommer Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG.