
einer Geschäftslogik heraus offen gegen
illiberal-autoritäre Strömungen Stellung
beziehen. Und in den seltensten Fällen
ziehen sie sich aus autoritär geführten
Ländern wieder zurück oder reduzieren
ihre Investitionen, solange illiberal-autoritäre
Politik nicht mit fundamentaler
Instabilität einhergeht. Auch das Beispiel
USA und Donald Trump hat jüngst wieder
gezeigt: Wenn ein illiberal-autoritärer
Politiker an den Schalthebeln der Macht
angekommen ist, agieren viele Unternehmen
und Unternehmensführer erst einmal
neutral und vorsichtig. Schließlich
hat der US-Präsident reale Macht über
Unternehmen. Wenn ein Unternehmen
ins Fadenkreuz seiner Tweets gerät, kann
sich das je nach Branche auf den Aktienkurs
auswirken. Andererseits hat das
Beispiel USA auch gezeigt, dass Unternehmen
dann auch wagen, sich offen gegen
einen illiberal-autoritären Politiker
wie Trump zu positionieren, wenn es Unternehmensführer
aus Überzeugung tun
oder wenn es Druck oder wenigstens Solidarität
von außen oder innen gibt (etwa
vonseiten der Kunden oder Mitarbeiter ).
Auch in Deutschland kann eine Positionierung
aus Überzeugung Zeichen
gegen illiberal-autoritäre Entwicklungen
setzen. VW-Chef Michael Müller etwa
fordert: „Es ist an der Zeit, dass Wirtschaftslenker
zu bestimmten Dingen ihre
Meinung sagen. Wir müssen uns Extremismus
entgegenstellen und Haltung zeigen“.
Er kritisiert insbesondere die AfD,
die massiv Vorurteile schüre. „Die AfD
spiegelt nicht das Deutschland wider, dessen
Bürger ich sein möchte“. Wie schwer
dies fällt, wenn autoritäre Kräfte erst einmal
an der Macht sind, zeigt das Beispiel
Ungarn. Hier will Premier Orbán mitten
in der EU einen „illiberalen Staat auf
nationaler Grundlage“ aufbauen, wie er
vor drei Jahren in einer Rede ankündigte.
Dazu höhlt er systematisch die Rechtsstaatlichkeit
aus, drangsaliert unabhängige
Nichtregierungsorganisationen
und
Medien sowie hetzt gegen Migranten und
den Islam.
Auch wirtschaftlich zog Orbán die
steuerlichen und regulatorischen Schrauben
bei internationalen Konzernen im
Bereich Medien, Banken, Energie, Telekom
und Einzelhandel an, deren Marktanteil
er zugunsten von heimischen Unternehmen
verringern will. Gleichzeitig
umwirbt Orbán erfolgreich ausländische
Industriekonzerne. 75 Prozent der ungarischen
Industrieinvestitionen kommen
aus dem Ausland. Dabei sind deutsche
Firmen prominent vertreten. Audi und
Daimler etwa haben in Ungarn große
Werke, andere deutsche Unternehmen
auch Logistik- und Forschungszentren.
Daimler etwa baut gerade ein weiteres
Werk für eine Milliarde Euro. Insgesamt
haben deutsche Firmen in Ungarn
174.000 Beschäftigte und machen rund
200 Milliarden Umsatz. Kein Wunder,
dass Orbán sich genauso wie die gegenwärtige
polnische Regierung gern mit
dem Engagement ausländischer Unternehmen
als Beweis des Erfolgs seiner
Wirtschaftspolitik schmückt.
VERANTWORTUNG DER WIRTSCHAFT
Thorsten Benner bei seinem Vortrag im Palais Biron
Foto: BBUG/MS
52 PALAIS BIRON NR. 25 | SOMMER 2017