
Neuerfindung von Geschäftsmodellen in der
Industrie 4.0 befassten, drehten sich die wesentlichen
Auseinandersetzungen denn auch
um solche tiefer liegenden Themen: um die
Führungsmodelle der Zukunft, um die Anforderungen
an Bildung und Weiterbildung
zur Vorbereitung auf die neuen Arbeitswelten,
um das Denken in Ökosystemen und
Plattformen in einer sich weiter globalisierenden
und ausdifferenzierenden Welt, die
Synthese von Start-up- und Gründermentalitäten
mit den Strukturen und Prozessen von
Großorganisationen und nicht zuletzt um die
ethischen Anforderungen an die Führung
der Zukunft.
Doch nicht nur das unmittelbare Erleben
solcher inhaltlichen Auseinandersetzungen
ist für den Gesprächsleiter eine ungemeine
Bereicherung. Ich habe die unmittelbare
Teilhabe an der für die BBUG typischen (und
ansonsten seltenen) Unbefangenheit und Lebendigkeit
des Austauschs nicht weniger als
ein Privileg empfunden, das Eintauchen in
ein Umfeld, das von einer besonderen Liebe
zur Kontroverse und an der mit offenem
Visier
geführten Diskussionen geprägt ist.
Hier kann der Gruppenleiter, insbesondere
wenn dieser die Bereitschaft zum offenen
Umgang mit den eigenen Herausforderungen,
seiner eigenen Unsicherheit, seinen eigenen
Lösungsversuchen zeigt, gewinnen und
für die anderen ein Vorteil sein. Besonders
weil man ein solches „Bonus-BBUG“ (ja
– es wird einem ein weiteres Gespräch geschenkt!)
noch einmal ganz anders erleben
kann als sein eigenes. Weniger unsicher, gelassener,
nicht in die Findung der Gruppe und
das Ringen mit anderen gebunden. Diese andere
Rolle des teilhabenden Beobachters gibt
einem noch einmal mehr Raum für die eigene
Reflexion, den „Blick aus dem Fenster“ und
die Justierung der eigenen Standpunkte und
der eigenen Perspektive.
Gewinn ist man dadurch hoffentlich als
Gesprächspartner der Gruppe. Gewinn aber
auch als Partner der Geschäftsführung in
der ständigen kritischen Reflexion auf noch
ungenutzte Potenziale zur Verbesserung der
BBUG. Denn es ist wohltuend zu sehen, wie
behutsam und gelassen, aber konsequent die
Gespräche ständig weiterentwickelt werden,
um den Kern dessen, was die BBUG so einzigartig
macht, aktuell zu halten.
Eine besondere Bereicherung war die
Gesprächsleitung vor allem auch für mich
selbst. Durch die Begleitung des Gesprächs
habe ich auch eine wunderbare Chance
erhalten,
für mich und mein Unternehmen
dazuzulernen.
Selbst besser zu werden.
Nicht allein durch das inhaltlich dichte und
gehaltvolle Programm. Nicht nur durch
die vielen guten Gespräche am Rande und
die Erweiterung
des eigenen Netzwerkes.
Und nicht nur durch neue, ungewohnte und
BBUG INTERN
Glaubwürdigkeit,
Authentizität, Offenheit,
geistige Empathie und kulturelle „Beweglichkeit“
mitbringen, wie von den Teilnehmern in
ihrem heutigen beruflichen Umfeld gelebt
und gefordert wird.
Denn – und das war für mich die dritte
wesentliche Beobachtung – nicht nur haben
sich in den letzten Jahrzehnten viele sicher
geglaubte unternehmerische Koordinaten,
hat sich die Wirtschaft als ganze dramatisch
verändert – sowohl als eigenes Ökosystem
als auch als Teil einer genauso globalisierten
wie immer noch (und wieder) in einzelne
Kulturen, Subkulturen und „Blasen“ zerfallenden
Welt. Dies hat auch ein ganz anderes
Selbst- und Elitenverständnis hervorgebracht,
erfordert eine andere Balance von
mehrdimensionalen Zielen, andere Formen
der Kommunikation und Kooperation und
ein anderes Verständnis der eigenen Rolle
in einer Gemeinschaft. All dies spiegelt sich
natürlich auch in der Auswahl und den Formaten
der Förderung von Talenten wider, die
vielfältiger und anspruchsvoller geworden
sind, aber auch in der Dynamik und Interaktion
in einer Gruppe wie den Baden-Badener
Unternehmer Gesprächen.
Vor dem Hintergrund der Vorträge und
Diskussionen des jüngsten Gesprächs, die
sich naturgemäß zu einem großen Teil mit
Fragen der Digitalisierung und der damit
zusammenhängenden Transformation und
Foto: MANN+HUMMEL
94 PALAIS BIRON NR. 25 | SOMMER 2017