
UNTERNEHMENSEVOLUTION
DR. STEFAN OSCHMANN
Stefan Oschmann ist Vorsitzender der Geschäftsleitung und CEO von Merck. Bevor er
Ende April 2016 dieses Amt übernahm, verantwortete er als stellvertretender Vorsitzender
und stellvertretender CEO unter anderem die Konzernstrategie. Oschmann trat
2011 als Mitglied der Geschäftsleitung bei Merck ein und leitete bis Ende 2014 den Unternehmensbereich
Healthcare. Er trieb die Neuausrichtung des Biopharma-Geschäfts
durch optimierte Kostenstrukturen und gesteigerte Effizienz des Forschungs- und Entwicklungsmodells
voran. Darüber hinaus spielte er eine entscheidende Rolle im konzernweiten
Transformations- und Effizienzsteigerungsprogramm „Fit für 2018“. Vor
seinem Wechsel zu Merck bekleidete Oschmann beim US-amerikanischen Pharmaunternehmen
MSD verschiedene leitende Positionen. Seinen beruflichen Werdegang begann
er bei einer Behörde der Vereinten Nationen und beim Verband der Chemischen
Industrie (VCI). Er wurde 1957 in Würzburg geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Das sind nur einige Beispiele, wie die
Materialien von Performance Materials
neue Technologien ermöglichen.
Für Merck bergen neue Technologien
ein großes wirtschaftliches Potenzial.
Bis 2022 erwarten wir, risikoadjustiert,
neue Umsätze in Höhe von vier
Milliarden
Euro.
Für mich ist klar: Auch in Zukunft
soll sich wissenschaftliche Neugier bei
Merck entfalten können. Innovationen
entstehen nicht nur im regulären R&DProzess
von Konzernen – gerade interdisziplinäre
Ideen brauchen einen eigenen
Raum, und den geben wir ihnen in
unserem Innovationszentrum. Bereits
2015 haben wir unser vorläufiges, modulares
Innovationszentrum eröffnet.
Dort bieten wir Innovationsprojekten
eine Heimat, die nicht direkt ins Kerngeschäft
unserer Unternehmensbereiche
passen – aber dennoch wirtschaftliches
Potenzial versprechen. Ab 2018 wird
dann unser neues Innovationszentrum
den Mittelpunkt unserer Konzernzentrale
bilden.
Strukturen wie das Innovationszentrum
sind wichtig. Aber Erfolg in Wissenschaft
und Technologie hängt in erster
Linie von Menschen ab. Für uns als
Management hat das Thema „
People“
daher eine hohe Priorität. Wir stehen
vor großen Aufgaben: Wir müssen Mitarbeiter
auf den technischen Wandel
vorbereiten und weltweit die richtigen
Leute gewinnen: selbstmotiviert, risikofreudig
und verantwortungsbewusst.
Wir müssen unsere Talente entwickeln
und die Zusammenarbeit über Organisationsgrenzen
hinweg fördern.
Beim Thema Menschen ist mir ein
Aspekt besonders wichtig. Bei allem
Fokus auf Effizienz dürfen wir die sozialen
Folgen der Digitalisierung nicht
außer Acht lassen. Wenn menschliche
Arbeitskraft durch Maschinen ersetzt
und damit entwertet wird, geht das an
den Betroffenen nicht spurlos vorbei.
Im Herbst 2016 brachte das ein Autor
im Handelsblatt auf den Punkt, als er
schrieb: „Disruption ist für die Wirtschaftselite
ein Modewort und für den
Rest der Menschheit eine Bedrohung“.
Wir sollten uns daher unserer Verantwortung
bewusst sein. Damit der digitale
Wandel gelingt, muss es meines
Erachtens in erster Linie um das Anreichern
menschlicher Arbeit gehen, und
nicht nur um die Ersetzung von Menschen
durch Maschinen.
Neue Technologien entwickeln sich
derzeit in einem rasanten Tempo. Welche
Möglichkeiten sich uns in den kommenden
Jahren eröffnen, können wir
noch gar nicht absehen. Zwei Dinge
sind jedoch sicher: Für Merck bringt der
technologische Fortschritt große Wachstumschancen
mit sich, die wir ergreifen
wollen. Und dafür werden wir Forscherdrang
und Entdeckerfreude weiter nach
Kräften fördern. Oder anders gesagt:
Wir bleiben neugierig.
Foto: MERCK
34 PALAIS BIRON NR. 25 | SOMMER 2017