
PALAIS BIRON NR. 25 | SOMMER 2017 17
Über wenig Spannung
kann sich die Bankenbranche
nicht beklagen.
Dafür muss man sich
gar nicht in Bilanzen und Berichte vertiefen
– der Blick in die Zeitung reicht.
Artikel mit dramatischen Überschriften
wie „Bankenland ist abgebrannt“ oder
„In der Sackgasse“ geben bereits einen
plastischen Eindruck, dass die Lage von
manchen Kommentatoren als geradezu
aussichtslos angesehen wird.
Wer quantitative Beweise bevorzugt,
muss sich allein vergegenwärtigen, wie
lange der „Krisenmodus“ bereits andauert.
Das durchschnittliche Markt-/
Buchwertverhältnis der börsennotierten
europäischen Banken liegt seit über 100
Monaten unter dem Wert 1. Im Klartext:
An der Börse werden die Institute
niedriger bewertet, als es dem Buchwert
ihres Eigenkapitals entspricht. Zum
Vergleich: Selbst während der schweren
Rezession der 1980er-Jahre dauerte die
Unterbewertung im deutschen Maschinenbau
„nur“ 57 Monate.
Zweifellos spiegelt sich in diesen Zahlen
das schwere Erbe der letzten Finanzkrise
wider, doch auch der Blick in die
Zukunft verdeutlicht, dass es der Branche
auch an neuen Herausforderungen
nicht mangelt.
Vier Themen stehen dabei im Vordergrund.
Erstens der andauernde Niedrigzins,
der Banken ein auskömmliches
Geschäft zunehmend unmöglich macht
und darüber hinaus zu erheblichen
Fehlallokationen von Kapital mit gravierenden
langfristigen Konsequenzen
für Volkswirtschaften und Gesellschaften
der Eurozone führt.
Die zweite und daran anknüpfende
Herausforderung sind weiterwachsende
regulatorische Anforderungen und
damit auch ein Anstieg der Kosten,
um diesen Vorgaben der Aufseher gerecht
zu werden. Schon heute liegen
die durchschnittlichen regulatorischen
Kosten für deutsche Banken bei jährlich
zwölf Milliarden Euro. Dem steht ein
durchschnittlicher Jahresüberschuss vor
Steuern von nur 10,5 Milliarden Euro
im Zeitraum 2000 bis 2015 gegenüber.
Drittens erleben wir einen zunehmenden
Preiswettbewerb, bedingt durch
hohe Transparenz, schnelle Informationsverfügbarkeit
und konvergente
Geschäftsmodelle aller Banken. In saturierten
Märkten ist dies zugleich ein
Verdrängungswettbewerb.
Die vierte und womöglich fundamentalste
Herausforderung: Im Rahmen
der Digitalisierung ändern sich zum
einen Kundenverhalten und Kundenansprüche,
zum anderen entsteht neue
Konkurrenz. Unmittelbar durch sogenannte
Fintechs: Allein in Deutschland
haben sich mehr als 400 von ihnen
aufgemacht, das Bankgeschäft zu revolutionieren,
mittelfristig auch mit dem
Blick auf die Big Player der Digitalisierung:
Amazon, Google, Apple.
Für unsere Kunden ist die Unterscheidung
des Zugangs – Filiale, online
oder mobil – unerheblich. Erwartet
wird eine nahtlos ineinandergreifende
Bankdienstleistung. Das hat nicht nur
Konsequenzen für das Filialnetz. Es
zwingt Banken vielmehr zu einem neuen
Rollenverständnis: nicht länger primär
Finanzdienstleister, sondern eben
auch Technologiemittler.
Eine Rolle, die viele Fintechs nicht
erst lernen müssen, sondern von Anfang
an verinnerlicht haben. Sie fokussieren
sich auf einzelne Elemente der Wertschöpfungskette,
ohne dabei gleichen
regulatorischen Zwängen ausgesetzt zu
sein wie eine Bank.
In diesem Spannungsfeld gilt es für
Banken, sich zu behaupten und sich
dabei vor allem auf jene Aspekte zu
konzentrieren, die sie aus eigener
Kraft ändern und verbessern können.
Denn im Falle des Niedrigzinses kann
nur an die Vernunft der Europäischen
Zentralbank und im Hinblick auf die
Hohe Transparenz,
schnelle Informationsverfügbarkeit
und
konvergente
Geschäftsmodelle
aller Banken steigern
den Wettbewerbsdruck
Foto: DZ Bank