
Karl Gernandt vor den Teilnehmern des 139. BBUG
Erwartungshaltung
betrifft im Hinblick
auf die Lieferung von Informationen,
online bestellter Waren oder auch
die Geschwindigkeit der Veränderung
von Kundenbedürfnissen. Durch die
Ubiquität
des Internets entstehen Geschäftsmodelle,
die ganze Industrien
verändern können, beliebtestes Beispiel
ist Airbnb: mit mehr als zwei Millionen
Zimmern in über 190 Ländern – Vermittlung
statt Betrieb beziehungsweise Besitz.
In die Reihe maßgeblicher Trends ist
sicherlich auch die global start-up economy
einzuordnen. Mutig und furchtlos
(manche nennen es auch naiv) loten
junge und jung gebliebene Marktteilnehmer
die Möglichkeiten neuer Technologien
aus, um alten Problemen oder
Traditionen neue Lösungen und neue
Value Propositions entgegenzusetzen.
Ein nicht unbedeutender Teil dessen,
was wir heute als Innovation wahrnehmen,
ist allerdings streng betrachtet nur
„digitaler Wein in alten Schläuchen“.
In diesem Zusammenhang sollte auch
auf den gesellschaftlichen Wandel und die
Veränderung der demografischen Strukturen
hingewiesen werden. Die stark
wachsende Mittelschicht in den emerging
markets, die Zunahme der älteren Bevölkerung
in den Industrienationen des
Westens und Chinas oder unsere „digital
natives“ – sie alle verändern das globale
und lokale Konsumverhalten und führen
letztendlich auch zu einem System- sowie
Wertewandel. Der Besitz eines Autos
als Statussymbol steht bei der jungen
Generation größtenteils nicht mehr im
Vordergrund. Benutzen kommt vor Besitzen
– wichtig ist, dass man jederzeit,
überall und sofort auf ein Fahrzeug zugreifen
und es nutzen kann. Das digitale
Multitasking der Y
oder Z-Generationen
verändert nicht nur das Privatleben,
sondern die neuen Verhaltensmuster
und Erwartungshaltungen
bergen auch
Herausforderungen
für die Arbeitgeber
von heute und morgen.
Alle dargestellten Trends sind eng
miteinander verbunden, sie interagieren
und gestalten in einem komplexen,
oft unüberschaubaren Zusammenspiel
unsere Gegenwart und Zukunft. Vor
diesem Hintergrund stellt sich die Frage,
welche Entscheidungen getroffen
werden müssen, um Unternehmen langfristig
erfolgreich zu positionieren. Was
bedeutet Tradition, wie erreicht man
Innovation und wie geht man mit möglicher
Disruption um?
Von größter Bedeutung ist es, dass
globale Trends und ihre Auswirkungen
frühzeitig erkannt und ins Kalkül unternehmerischer
Entscheidungen gezogen
werden. Eines ist offensichtlich geworden:
Die Entwicklung von Strategien
auf Basis quantitativer Analysen ist angesichts
der heutigen Veränderungsgeschwindigkeit
nicht mehr adäquat.
Oftmals beruhen Verluste oder Fehlentscheidungen
weitgehend auf deduktiv
und analytisch getroffenen Management-
Foto: BBUG/MS
66 PALAIS BIRON NR. 25 | SOMMER 2017