
Das Ende
der Strategie
PALAIS BIRON NR. 25 | SOMMER 2017 65
Seit den 1980er-Jahren gilt
die Globalisierung
als
wichtigster Treiber des
globalen
Wandels von
wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen.
Die Lohnkostenvorteile der asiatischen
und lateinamerikanischen
Länder
führten zu einer die ganze Welt
umspannenden, verlängerten Werkbank
für die konsumorientierten Gesellschaften.
Lag zu Beginn das „
Centre
of Gravity“ der Kaufkraft in den Märkten
von Europa, Japan oder Nordamerika,
so hat sich der wirtschaftliche
Schwerpunkt in die urbanen Zentren
der aufstrebenden Volkswirtschaften
in Südostasien
verschoben. Der Konsum
deren wachsender Mittelschicht
KARL GERNANDT
entwickelt
sich zum wichtigen Motor
des Welthandels.
Gleichzeitig führen Risikoaversität
oder immer deutlicher werdende protektionistische
Ansätze zu starken regionalen
Wirtschaftsräumen, sogenannten
„glocalized markets“, mit unterschiedlichen
Integrationsstufen. Diese reichen
vom Präferenzabkommen über Freihandelszonen
bis hin zur Wirtschafts- und
Währungsgemeinschaft ohne Handelsbarrieren
oder sonstige Beschränkungen.
Fakt ist: Die Produktion rückt wieder
näher
an die Absatzmärkte, für die die
Produkte bestimmt sind. In der Folge
wachsen regionale Wertschöpfungsketten
und dezentrale Versorgungssysteme,
also interregionale Handelsströme,
schneller als interkontinentale. Dies
verändert
nicht nur die enorm gewachsenen
Logistikströme
des physischen
Transports, sondern auch und insbesondere
die Risikostruktur einer internationalen
Supply Chain.
Ein Trend allerdings überstrahlt in
seiner Auswirkung derzeit den Einfluss
der Globalisierung und Glokalisierung:
Es ist der Megatrend Technologie.
Ohne den technologischen Fortschritt
würde es Geschäftsmodelle wie diejenigen
von Uber, Airbnb oder Netflix nicht
geben. 3D Printing, Big Data Analytics,
autonome Systeme und künstliche Intelligenz
entwickeln sich geradezu in
Überschallgeschwindigkeit.
„Instantness“ ist ein Trend, der
eng mit dem technologischen Fortschritt
verbunden ist und die heutige
Foto: Hapag-Lloyd AG
Instantness oder Adaptiveness:
Über die Führungsherausforderungen in einem global agierenden
Logistikunternehmen